KI in den Arbeitsalltag zu integrieren ist zwar einfach, aber nicht leicht. Dieser Artikel ist Teil einer zweiteiligen Serie, die den modernen Marketing-Alltag beleuchtet und praxisnahe Anwendungsbeispiele, Prompt-Muster sowie realistische Empfehlungen für den Einstieg bietet. In Teil eins haben wir Strategien und praktische Frameworks vorgestellt. In diesem zweiten Teil werden wir konkret und zeigen, wie Prompts im Tagesgeschäft eingesetzt werden können.
Anwendungsbeispiele für KI im Marketing und Beispiel-Prompts
Prompts wirken wie Zaubersprüche – wenn Sie sie richtig formulieren, können außergewöhnliche Ergebnisse entstehen. Ob ein Prompt ins Leere läuft oder genau das gewünschte Ergebnis liefert, hängt meist von Präzision, Übung und etwas Experimentierfreude ab. Hier finden Sie typische Situationen, in denen Künstliche Intelligenz (KI) Sie als Marketer unterstützen kann.
Produktivität
Morgendliche Priorisierung für einen erfolgreichen Start in den Tag
Plattformen: Generative KI-Assistenten wie Microsoft Copilot
Ihr Kalender ist ein Schauplatz konkurrierender Aufgaben. Welche Meetings sind wirklich relevant? Welche lassen sich verkürzen? Für welche Aufgaben lohnt sich Ihre höchste Konzentration?
Beginnen Sie Ihren Tag mit folgendem Prompt:
Sie sind mein digitaler Assistent. Fassen Sie alle ungelesenen E-Mails und Meetings für heute zusammen. Erstellen Sie eine Prioritätenliste mit meinen fünf wichtigsten Aufgaben für den Tag und erläutern Sie, warum jede Aufgabe bedeutsam ist. Schlagen Sie anschließend zwei Meetings vor, die Sie ablehnen oder verkürzen könnten, und begründen Sie dies kurz.
Überprüfen Sie die Priorisierung und passen Sie sie an Ihre eigenen Prioritäten und die beteiligten Stakeholder an.
Meeting-Aufzeichnungen, Zusammenfassungen und Notizen
Tool: Videokonferenz-Plattform
Wie viele Stunden verbringen Sie jede Woche in Meetings? Und wie viele Meetings enden ohne eine klare Dokumentation von Entscheidungen, Aufgaben oder wichtigen Erkenntnissen?
Die meisten Videokonferenz-Plattformen (wie Zoom, Teams, Google Meet) bieten inzwischen eine integrierte KI-Zusammenfassung an. Prüfen Sie Ihre Admin-Einstellungen, um diese Funktion zu aktivieren. Bitten Sie die KI nach jedem Meeting, Folgendes zu erstellen:
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Wichtige Diskussionspunkte
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Getroffene Entscheidungen
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Aufgaben mit Verantwortlichen
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Wichtige Fragen
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Nächste Schritte
Meeting-Notizen sind wertvoller Kontext für zukünftige Anfragen. Suchen Sie einen geeigneten Ort, um Ihre Notizen zu speichern und sie jederzeit durchsuchen zu können. Holen Sie vor der Aufnahme das Einverständnis der beteiligten Personen ein und verwenden Sie ausschließlich von Ihrem IT‑Team freigegebene Lösungen.
Verfassen Sie einen Kampagnenbrief
Tool: Adobe, Microsoft Copilot und andere KI‑Schreibassistenten
KI verkürzt den langwierigen Prozess der Kampagnenbrief-Erstellung auf wenige Minuten. Anstatt verstreute Daten zu durchsuchen, Erkenntnisse in Dokumente einzufügen und auf Rückmeldungen von mehreren Beteiligten zu warten, geben Marketingfachleute einige wichtige Informationen in einen KI‑Assistenten ein und erhalten sofort einen strukturierten, erkenntnisbasierten Brief. Das kann die Planung erheblich beschleunigen. Folgendes Vorgehen können Sie nutzen:
Schritt 1: Ziel der Kampagne definieren:
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Was möchten Sie erreichen? (z. B. Lead-Generierung, Markenbekanntheit)
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Welche Zielgruppe möchten Sie ansprechen?
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Welche Kanäle werden eingesetzt?
Schritt 2: Wichtige Informationen für Prompts sammeln
Erfassen Sie die wichtigsten Details:
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Geschäftsziele und KPIs
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Budget und Zeitrahmen
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Zielgruppe
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Kreative Aspekte
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Wettbewerbsanalysen
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Kampagnenbrief des letzten Jahres, falls verfügbar
Nutzen Sie Frameworks wie RTF (Rolle, Aufgabe, Format), um Klarheit zu schaffen:
- Rolle: „Sie sind Marketingstrategin oder Marketingstratege.“
- Aufgabe: „Erstellen Sie ein Kampagnen-Briefing für eine Produkteinführung, die sich an mittelständische CMOS richtet und über LinkedIn sowie E-Mail erfolgt.
- Format: „Fügen Sie Abschnitte für empfohlene Ziele, Zielgruppe, Botschaften, Kanäle und Erfolgskennzahlen hinzu.
Schritt 3: Prüfen Sie das Ergebnis
Überprüfen Sie:
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Korrektheit der Angaben
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Vollständigkeit der Abschnitte
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Einhaltung interner Richtlinien
Schritt 5: Dokumentieren und teilen
Speichern Sie die endgültige Eingabe und das Ergebnis in Ihrer Prompt-Bibliothek zur späteren Verwendung. Sie können den Namen zur besseren Übersicht ändern. Die Dokumentation sorgt für einheitliche Abläufe und beschleunigt zukünftige Kampagnen.
Personalisierung im großen Maßstab
Moderne Marketingteams setzen KI ein, um systematisch Varianten aus dem Ausgangsinhalt zu erzeugen.
Ansatz für die Content-Lieferkette
Plattformen: Adobe, Microsoft Copilot
Im modernen Marketing werden zahlreiche Content-Varianten benötigt: unterschiedliche Botschaften und Bilder für verschiedene Zielgruppen, Varianten für A/B-Tests, kanalbezogene Anpassungen sowie lokale Versionen. Die manuelle Erstellung dieser Varianten ist zeitaufwändig und häufig mit hohen Kosten verbunden. In diesem Beispiel zeigen wir, wie Sie CTA-Varianten erstellen können.
So funktioniert es:
Schritt 1: Standard-CTA formulieren
Zum Beispiel: „Abonnieren Sie heute unseren Newsletter!“
Schritt 2: Varianten entwickeln
Sobald das Briefing steht, können Sie mit KI folgende Varianten erzeugen:
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CTA-Varianten für Zielgruppen oder Webseiten
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Anpassungen je nach Kanal
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Lokalisierung für verschiedene Märkte
Beispiel für eine Eingabe:
„Nutzen Sie das Kampagnen-Briefing, um 10 CTA-Varianten zu erstellen, die für LinkedIn-Anzeigen und E-Mail-Nurture-Sequenzen optimiert sind. Gestalten Sie jede Variante einzigartig und sorgen Sie gleichzeitig für eine konsistente Botschaft.“
Das Ergebnis: 50 unterschiedliche CTAs, jeweils 10 pro Szenario, optimal auf den jeweiligen Kontext zugeschnitten – in wenigen Sekunden statt Stunden erstellt.
Einblicke und Berichte zur Marketing-Performance
Moderne Marketingstrategien basieren auf Daten. Da Kundensignale über verschiedene Kanäle verteilt sind, stellt bereits die Datenerfassung eine Herausforderung dar. Diese Daten in konkrete Erkenntnisse umzuwandeln, um Kampagnen zu planen oder zu optimieren, ist eine weitere Herausforderung. Hier sorgt Customer Journey Analytics für einen entscheidenden Unterschied und ermöglicht fundierte Entscheidungen.
KI-basierte Erkenntnisse entdecken
Plattform: Adobe Customer Journey Analytics
Die KI-Funktionen in Customer Journey Analytics machen fortschrittliche Analysen für nahezu alle Nutzenden zugänglich. KI kann:
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Intuitive Visualisierungen und Abfragen in natürlicher Sprache ermöglichen.
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Geführte Erkenntnisse bieten, sodass Marketingteams nicht mehr stark auf Analyseexperten angewiesen sind.
Mit Customer Journey Analytics können Marketingteams:
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Muster und Trends erkennen
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Dynamische Zielgruppen auf Basis von Echtzeitdaten erstellen
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Kundenreisen optimieren
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Zielgruppen definieren und deren Größe abschätzen
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Datenvisualisierungen erstellen
Um zielführende Prompts zu formulieren, sollten Sie grundlegende Konzepte kennen – etwa den Unterschied zwischen einer Dimension (nicht-numerische Attribute wie Seiten-URL oder Marketingkanal) und einer Metrik (messbare numerische Werte wie Seitenaufrufe oder Bestellungen). Hier finden Sie einige Beispielanfragen, die Sie mit Customer Journey Analytics verwenden können:
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Zusammenfassen: Zeigen Sie mir die Gesamtanzahl der aktiven Nutzenden in diesem Monat.
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Vergleichen: Zeigen Sie das Wachstum der Nutzerregistrierungen im Wochenvergleich.
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Visualisieren: Stellen Sie die einzelnen Anteile des Gesamtumsatzes nach Ländern in einem Donut-Diagramm dar.
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Trend: Zeigen Sie [Metrik] im angegebenen Zeitraum, zum Beispiel Bestellungen in der letzten Woche.
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Tiefere Einblicke: Geben Sie die durchschnittliche Sitzungsdauer nach Gerätetyp und Kampagne an
Sie können mehrere Prompts miteinander verknüpfen, um Datensätze schrittweise zu analysieren, bis Sie die gewünschte Antwort oder Erkenntnis erhalten.
Die KI-Funktion analysiert den Kontext Ihrer Prompts und wählt die passende Visualisierung sowie die richtige Datentabelle aus. Schon kleine Änderungen in der Formulierung können das Ergebnis beeinflussen. Beachten Sie dazu diese Hinweise:
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Formulieren Sie präzise und verwenden Sie exakte Begriffe (z. B. „Umsatz im letzten Monat in Kalifornien“).
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Nutzen Sie klare Kennzahlen, Dimensionen, Segmente und Zeiträume (z. B. Kennzahl: Umsatz; Dimension: Website-Name; Segment: iPhone-Nutzende; Zeitraum: die letzten drei Monate).
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Stellen Sie direkte Fragen (z. B. „Wie hoch ist der durchschnittliche Umsatz nach Produktkategorie in diesem Jahr?“).
Das Wichtigste auf einen Blick
Betrachten Sie KI als den entscheidenden Multiplikator. Sie bleiben weiterhin die strategische Instanz, kreative Leitung und Entscheidungsträgerin bzw. Entscheidungsträger. KI kann als Ihr unermüdlicher Assistent, Analyst oder Produktionsteam agieren. Sie übernimmt zeitraubende, wiederkehrende und datenintensive Aufgaben, sodass Sie sich auf Storytelling, Beziehungsaufbau, Positionierung und innovative Ideen konzentrieren können.
Der beste Weg, KI zu lernen, ist sie zu nutzen. Fangen Sie klein an. Wählen Sie eine Aufgabe, die Sie regelmäßig erledigen, und probieren Sie KI-Unterstützung aus. Machen Sie sich keine Gedanken über perfekte Prompts (die gibt es ohnehin nicht) oder optimale Abläufe. Fangen Sie einfach an.
Gestalten Sie Ihr persönliches Experimentier-Framework:
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Wöchentliche Herausforderung: Wählen Sie eine neue KI-Anwendung zum Testen aus
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Ergebnisse dokumentieren: Halten Sie fest, was funktioniert hat und was nicht
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Erkenntnisse teilen: Besprechen Sie Ihre Entdeckungen im Team
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Iterieren: Bauen Sie auf Erfolgen auf und lernen Sie aus Fehlern
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Auswirkungen messen: Erfassen Sie eingesparte Zeit und Qualitätsverbesserungen
Das Ziel ist Fortschritt, nicht Perfektion. Manche Experimente werden scheitern. Jeder Erfolg und jedes Scheitern bringt Ihnen neue Erkenntnisse für die Zusammenarbeit mit KI.
Denken Sie daran: Fangen Sie klein an, um Ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Bei all den Diskussionen über agentische KI ist es wichtig, mit Bedacht vorzugehen. Die Marketer, die KI am effektivsten nutzen, sind nicht diejenigen, die alles gleichzeitig ausprobieren – sondern diejenigen, die lernen, iterieren und das skalieren, was funktioniert.